· 

Der große Gegner-Check 2019 (Teil Eins)


Ein footballfreier Sommer kann lang werden, trotz Combine, Free Agency, Draft und Sommer-Camp. Da lohnt es sich, einen Blick auf die neue Saison zu werfen und sich mit den kommenden Gegnern zu beschäftigen. Genau das möchte ich für und mit euch tun und euch die Teams, die auf unsere Browns treffen werden, ein wenig näher vorstellen. Damit es nicht zu viel Text und zu viel Durcheinander gibt, werde ich den Gegner-Check ein wenig strukturieren. Beginnen werde ich zunächst mit den Auswärtsspielen. Im zweiten Teil soll es dann um die Spiele im heimischen First Energy Stadium gehen. Im dritten Teil schauen wir dann gemeinsam auf die Rivalen aus der AFC North, auf die die Browns jeweils einmal auswärts und einmal zuhause treffen. 
Inhaltlich gibt es ein paar Themen, die als Anhaltspunkte für eine hoffentlich gelungene Analyse dienen sollen. Alle Spiele finden übrigens in den USA statt, die Browns tragen diese Saison keine Partie in London, oder Mexiko aus. Genaue Daten und eine exakte Reihenfolge der Spiele sind seitens der NFL noch nicht bekannt gegeben worden. 


New York Jets: 

Die Jets waren in den vergangenen Jahren schon öfter Gegner der Browns. Viele erinnern sich noch mit Freuden an das letzte Duell, bei dem Baker Mayfield sein Debüt in der NFL gegeben hat und den Browns den ersten Sieg nach 635 Tagen bescheren konnte. Zwar ohne geworfenen Touchdown, aber mit starken Pässen und einer grandiosen Two-Point-Conversion im Philly-Style hat der junge Spielmacher im Handumdrehen die Herzen der Fans gewonnen. 21:17 hieß es am Ende des Spiels. Nach zuletzt drei Heimspielen gegen die Jets,geht es dieses Jahr auswärts ran, genauer gesagt im Metlife Stadium, das 82.500 Zuschauern Platz bietet. Neuer Head-Coach ist in diesem Jahr Adam Gase, der aus Miami nach New York gekommen ist und nach Jahren der Tristesse ein offensiveres Denken in das Team einpflanzen soll. 

Der Quarterback: 
So gut wie jeder Experte ist vor dem letzten Draft davon ausgegangen, dass Sam Darnold an erster Stelle von den Browns gepickt wird. Vom Talent und dem Entwicklungspotenzial der beste Spielmacher, so war es in allen Medien zu lesen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt, sowohl Cleveland, als auch die New York Giants verzichteten auf Darnold, sodass die Jets an dritter Stelle zuschlagen konnten. Und als einziger Quarterback aus der Draft-Class ging er auch als Starter in die neue Spielzeit. Alle Anderen bekamen ihren Startplatz erst im Verlauf der Saison. Sein erster Wurf in der NFL war direkt eine Pick-Six, dennoch führte er sein Team zu einem 48:17-Sieg gegen Detroit. Am Ende der Saison standen 17 TDs, 15 INT und 2865 geworfene Yards, vier Siege. Für einen Rookie recht ordentlich, für das gesamte Team zu wenig, weswegen die Playoffs deutlich verpasst wurden. Von Darnold muss diese Saison mehr kommen, damit es für die Jets auch nach 17 Wochen noch weiter gehen kann. Zuzutrauen ist es ihm auf jeden Fall. 

Der Schlüsselspieler:
Le'Veon Bell hat die gesamte, letzte Saison gestreikt. Kein einziges Spiel hat der explosive und durchsetzungsstarke Runningback bestritten. Trotzdem ist den Jets mit seiner Verpflichtung ein Coup gelungen. Das Laufspiel erfährt durch ihn ein großes Upgrade, dazu bekommt das Team vom Big Apple einen Gewinnertypen. Für einen jungen Quarterback wie Darnold kann ein erfahrener Spieler wie Bell eine große Stütze sein, auf die er sich immer verlassen kann. Neben einer guten Passverteidigung bedarf es also vor allem auch einer Defense, die Le'Veon Bell keinen Yard Platz lässt und seine Läufe vorzeitig stoppt. 

Prognose:
Spiele gegen die Jets waren in den letzten Jahren immer knapp und spannend bis zum Schluss. Vieles spricht dafür, dass es auch in diesem Jahr so sein könnte. Dennoch sind die Jets eines der Teams, das man definitiv schlagen muss, um in die Playoffs zu kommen. Das weiß auch Freddie Kitchens. 


Denver Broncos:

Auch dieses Spiel gab es in der letzten Saison. Ebenfalls auswärts, ebenfalls hieß der Sieger am Ende Cleveland. Einen 17:16-Erfolg feierten die Browns am Ende vor allem dank Jabrill Peppers, der kurz vor Spielende bei viertem Versuch und 10 Yards auf Höhe der Mittellinie Broncos-QB Case Keenum sacken konnte und somit eine mögliche Führung der Gastgeber verhindern konnte. Bei schwierigen Windverhältnissen gelangen Baker Mayfield immerhin zwei Touchdowns. Auch in dieser Saison könnte das Wetter wieder eine Rolle spielen, dafür ist das Mile High-Stadium schließlich bekannt. Vom Glanz des Super Bowl-Siegers von 2016 ist aber nur wenig übrig geblieben. Keine Playoffs im letzten Jahr für das Ex-Team von Peyton Manning, sodass in dieser Saison ein erneuter Anlauf genommen werden muss, um wieder zur Elite zu gehören. Dieser Aufgabe stellt sich Vic Fangio, zuletzt Defensiv-Coach in Chicago und nun erstmals Cheftrainer in der NFL.

Der Quarterback:
Dabei helfen soll ein alter Bekannter der Browns. Joe Flacco hat seine Zelte in Baltimore abgebrochen (oder vielmehr abbrechen müssen) und versucht sein Glück nun in Denver. Nach dem gescheiterten Experiment mit Case Keenum, der nach nur einer Saison zu den Redskins getradet wurde, setzen die Broncos nun auf die Erfahrung des ehemaligen Super Bowl-Siegers. Zwölf zu sechs, so lautet sein TD-INT-Verhältnis aus der letzten Saison. Gespielt hat Flacco in neun Spielen, ehe er wegen einer Verletzung  endgültig durch Lamar Jackson ersetzt wurde. Er zählt definitiv nicht zu den Elite-Quarterbacks, aber durch seine Erfahrung und seine Ruhe kann er ein Team durchaus zum Sieg führen. Seine Formkurve zeigt jedoch immer weiter nach unten, weswegen es gut möglich ist, dass die Broncos im Draft einen jungen Spielmacher wählen, der Flacco frühzeitig den Startplatz streitig machen könnte. 

Der Schlüsselspieler:
Super Bowl-MVP und Champion 2016, siebenfacher Pro Bowler, dazu Denvers All-Time Sack-Leader. Linebacker Von Miller zählt zu den ganz Großen im Football. Und zu den absoluten Leistungsträgern bei den Broncos. Ihn gilt es zu stoppen, um Baker Mayfield ausreichend Zeit für seine Würfe zu verschaffen. Für die O-Line der Browns sicherlich die schwerste Aufgabe, jedoch keine Unmögliche. Miller kann sein Team zwar nicht allein zum Sieg führen, es auf die Siegerstraße lenken aber allemal. 

Prognose:
Die Broncos sind zuhause schwer zu schlagen. Das liegt zum einen an den fantastischen Fans, zum anderen an den Wetterbedingungen, an die man sich als Gegner gewöhnen muss. Dass die Browns das können, haben sie letzte Saison gezeigt. In diesem Jahr muss aber eine Leistungssteigerung her, denn Alles in Allem war das Spiel zu zerfahren und wacklig. Ein Sieg ist vielleicht keine Pflicht, aber auf jeden Fall möglich. 


Arizona Cardinals:

Das Wiedersehen mit dem alten Team, so lautet wohl die Überschrift für dieses Spiel. Denn Clevelands Defensiv-Koordinator Steve Wilks fungierte im letzten Jahr noch als Head-Coach der Cardinals. Nach einer Saison zum Vergessen musste Wilks schon wieder gehen, ersetzt wurde er durch Kliff Kingsbury. Für den jungen Offensivstrategen ist es die erste Cheftrainerstation im großen Haifischbecken. Und aufgrund der desaströsen Bilanz von nur drei Siegen in 16 Spielen gebührt den Südstaatlern im diesjährigen Draft auch gleich der erste Pick. Womit wir zur wichtigsten Postion im Football kommen.

Der Quarterback: 
Eigentlich hatte man sich erst im letzten Jahr für Josh Rosen als Spielmacher der Zukunft entschieden. Doch mit einem neuen Head-Coach kommen auch neue Vorstellungen in ein Team. Und eine dieser Vorstellungen könnte Kyler Murray heißen. Der Heisman-Trophy Gewinner könnte tatsächlich an erster Stelle gewählt werden und damit eine große Zukunft in Arizona einleiten. Kingsbury hatte in einem Interview gesagt, dass er Murray an #1 wählen würde, wenn er die Gelegenheit dazu hätte. Nun könnte sich dieses Szenario bewahrheiten. Josh Rosen wäre dann der große Verlierer. Gewonnen hat er im letzten Jahr ohnehin nur drei Spiele. Jedoch fallen damit alle Siege der Cardinals unter seine Regie. Sollte Rosen auch im nächsten Jahr für Arizona spielen, muss auch von ihm der nächste Schritt erfolgen. 

Der Schlüsselspieler:
Larry Fitzgerald ist zwar schon 35 Jahre alt, hat es aber immer noch in den Armen. Und auch in den Beinen, denn Laufen und Fangen kann er bei den Cardinals von Allen am besten. Die Receiver-Legende will mithelfen, den Umbruch im Team weiter voranzutreiben und soll auch unter der neuen Trainer-Garde als Vorbild für seine Mitspieler fungieren. Seine besten Jahre hat er mit Sicherheit hinter sich, trotzdem müssen Cornerbacks und Safteys der Browns gehörig aufpassen, dass ihnen der "alte Mann" nicht davonläuft. 

Prognose:
Auswärtsspiel hin oder her, hier müssen die Browns einen Sieg einfahren. Ein Team wie die Cardinals, die sich im Umbruch befinden und sich mit Sicherheit noch finden müssen, können die Browns definitiv schlagen. Je früher das Spiel stattfindet, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Cleveland als Sieger hervorgeht.


San Francisco 49ers:

Ein Highlight wartet in Kalifornien auf die Browns. Dort geht es gegen die 49ers aus San Francisco, die bereits fünfmal den Super Bowl gewinnen konnten und zu den populärsten Teams der NFL zählen. Auch in Deutschland gibt es viele Anhänger der "Niners". Vor allem der Name Joe Montana, ist vielen Football-Interessierten ein Begriff. Vier der fünf Titel gehen auf sein Konto, bei Dreien wurde der Quarterback zum MVP des Finals ausgezeichnet. Doch nur wenig Glanz der erfolgreichen 80er und 90er Jahre ist übrig geblieben. Gerade über die letzten Jahre verlor man deutlich öfter, als man gewinnen konnte. Damit sich auf lange Sicht wieder Erfolg einstellt, wurde 2017 Kyle Shanahan als neuer Cheftrainer verpflichtet, nachdem dieser einen denkwürdigen Super Bowl als Offensiv-Koordinator der Atlanta Falcons verloren hatte. Seine offensive und kreative Handschrift ist durchaus erkennbar, mit den Playoffs hatten die 49ers seit seiner Verpflichtung aber wenig zu tun.

Der Quarterback:
Es war Woche Nummer drei, als sich Jimmy Garoppolo im Spiel gegen die Kansas City Chiefs das Kreuzband riss. Ab diesem Zeitpunkt schien jeder in Kalifornien zu wissen, dass es auch in diesem Jahr nichts mit den Playoffs wird, was sich schließlich auch bewahrheiten sollte. Zu groß ist die Abhängigkeit von "Jimmy G". Als Back-Up der Patriots konnte er sein Talent nur selten unter Beweis stellen, nach seinem Wechsel nach San Francisco ließ er alle Kritiker und Zweifler verstummen. Je nachdem wie seine Genesung voranschreitet, könnte er zu Saisonbeginn rechtzeitig fit werden und somit auch gegen die Browns auf dem Feld stehen. Leichter wird es dadurch auf keinen Fall für Mayfield, Chubb und Co., denn Garoppolo zählt zu den besten Spielmachern der Liga. Steht er auf dem Feld, haben die Niners in jedem Spiel die Chance als Sieger vom Platz zu gehen.

Der Schlüsselspieler: 
Die Position des Tight Ends zählt zu den Interessantesten dieses Sports. George Kittle ist San Franciscos Bester. Seit 2017 in der Liga, zeigt seine Leistungskurve stetig nach Oben. Im letzten Jahr gelangen ihm über 1.300 gefangene Yards, dazu fünf Touchdowns. Sehr wahrscheinlich ist es, dass er sich weiter verbessert und noch wichtiger für Shanahan und das Team werden wird. Nimmt man ihn nicht aus dem Spiel, so hat Jimmy Garoppolo eine starke Anspielstation und jemanden, der es versteht, Raumgewinne und Punkte zu erzielen. Auf ihn sollte sich die Browns Defensive gut vorbereiten und einstellen. 

Prognose:
Die 49ers werden sich auch in diesem Jahr ein absolutes Top-Talent im Draft angeln. Jemanden, der das Gesicht des Teams noch einmal verändern kann. Auch von Garoppolos Genesung hängt vieles ab. In Bestbesetzung sind die Rot-Goldenen definitiv kein leichter Gegner, deshalb sollten die Browns nicht davon ausgehen, in Kalifornien so einfach als Sieger vom Feld zu gehen. Wie aber jeder von uns weiß, lügt eine Tabelle nicht. Das Team von Kyle Shanahan stand zuletzt wieder am Ende der Liga, deutlich hinter Cleveland. Die Rollen dürften daher klar verteilt sein. Trotzdem dürfte es ein enger Schlagabtausch werden.


New England Patriots:

Unabhängig vom Ausgang des Spiels, wird dieses Aufeinandertreffen ein absolutes Highlight der neuen Saison. Ein junges, aufstrebendes Team aus Cleveland, trifft auf die beste Mannschaft der Liga, den amtierenden Super Bowl Champion aus Foxborough. Die Patriots prägen nicht zuletzt dank Bill Belichick, der auch schon bei den Browns an der Seitenlinie stand, eine erfolgreiche Ära des Footballs. Der nahezu immer grimmige Head-Coach der Patriots ist der Strippenzieher und Meistermacher des Teams. Schon oft haben seine taktischen Kniffe zum Erfolg, zur Super Bowl-Teilnahme und eben auch zu Titeln geführt, weswegen die Pats in Deutschland vermutlich das beliebteste Team sind. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, wird dieses Spiel im deutschen Free TV laufen, denn die Vorzeichen sagen ein vermutlich spektakuläres und spannendes Spiel voraus. 

Der Quarterback:
Für fast jeden Football-Fan und Experten ist er der beste Spieler aller Zeiten. Tom Brady hat sechs Super Bowls gewonnen, an neun Endspielen teilgenommen, viermal wurde er Super Bowl-MVP. Er ist das mahnende Beispiel, dass man auch in späten Draftrunden noch Diamanten finden kann. Und es scheint so, als würde er trotz seiner 41 Jahren einfach nicht altern. Ein Läufer war er noch nie, wenn sich Brady mit Ball in Bewegung setzt, hat es fast schon lustige Züge. Aber wehe, er darf das Spielgerät werfen, dann scheint es, als sei dieser Mann einfach nicht zu stoppen. So gut wie jeder Pass findet einen Abnehmer, fast immer holen die Patriots dank seiner Pässe die entscheidenden Yards. Die Browns-Defensive muss gewaltig aufpassen, frühzeitig Druck ausüben und darf ihm nicht die Zeit geben, die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Der Schlüsselspieler:
Bradys Lieblingsziel ist der amtierende Super Bowl-MVP. Wide Receiver Julian Edelman scheint ebenso wenig zu stoppen zu sein, wie sein Quarterback. Er schafft es, bei kurzen Pässen die entscheidenden Yards zu holen, aber auch bei langen Würfen die Punkte für sein Team zu erzielen. Eine perfekte Mischung und ein Musterbild für einen guten Receiver. In der neuen Spielzeit könnte er tatsächlich noch wichtiger werden, da mit Rob Gronkowski ein Leistungsträger von Bord gegangen ist. Zwar auf einer anderen Position, muss Edelman trotzdem dabei helfen, das "Mentalitäts-Loch" das nach "Gronks" Abgang entstanden ist, zu füllen. Gegen ihn zu verteidigen, dürfte eine der anspruchsvollsten Aufgaben für Denzel Ward werden. 

Prognose:
Defensiv so viel wie möglich verhindern, offensiv gut punkten. So könnte der Matchplan für die Browns lauten. Deutlich einfacher geschrieben, als es sich letztlich umsetzen lässt. Einen Sieg sollte man hier definitiv nicht erwarten, unmöglich ist er jedoch nicht. Die Browns können in diesem Spiel viel mehr gewinnen als die Patriots, das muss der Ansporn für Freddie Kitchens und sein Team sein. Bei einer guten Leistung könnte das Ergebnis sogar in den Hintergrund rücken.


Viel Lesestoff, viel Vorfreude auf die neue Saison. So schaut es hoffentlich auch bei euch aus! Demnächst geht es dann mit der Analyse der Heimspiele weiter. 

Bis dahin,

Kevin