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Eine gewaltige Verstärkung- Sione Takitaki im Fokus


"Coach, geht Takitaki in Ordnung?" Die Frage von John Dorsey ging an Linebacker Coach Al Holcomb, der während der dritten Draftrunde gerade den War Room der Browns betreten hatte. "Takitaki? Ich mag Taki!". Nicht nur Holcomb, auch Defensiv-Koordinator Steve Wilks war höchst zufrieden mit der Auswahl des Drittrundenpicks im Draft. Denn der so dringend benötigte Linebacker wurde endlich gefunden. Sione Takitaki von den BYU Cougars heißt die neue Verstärkung in der Defensive. Den entscheidenden Anruf aus Cleveland hat er am Abend dann ausgerechnet auf der Toilette entgegen nehmen müssen, was zu einer der lustigsten Geschichten des Drafts avancierte.
Nachdem ich mich genauer mit dem gebürtigen Kalifornier beschäftigt hatte, war mir schnell klar, dass den Browns mit seiner Verpflichtung ein echter Coup geglückt sein könnte. Auf und abseits des Feldes scheint dieser junge Mann ein äußerst interessanter Typ zu sein. 


"Ein physicher, physicher Footballspieler"

Wenn man den Äußerungen von Assistenz-Manager Eliot Wolf Glauben schenken darf, so muss sich jeder Gegner fortan warm anziehen, insbesondere die gegnerischen Quarterbacks. Mit "Gewalt" gehe Takitaki sein Handwerk an. Gerade seine körperlichen Voraussetzungen unterscheiden ihn von vielen anderen Linebackern aus der diesjährigen Draftclass. Jeder Spielzug könnte der entscheidende sein und genau so spielt er auch. 
Wenn wir an die letzte Saison zurückdenken, so kommt man nicht drumherum, die oft enttäuschende Defensive zu betrachten. Insbesondere bei den Tackles gegen den Ballträger haben die Browns oft Chancen liegen gelassen und den Gegner somit unnötig gestärkt. Hier kommt Takitaki ins Spiel, der genau das verhindern soll. "Ich bin ein physischer Spieler. Ich glaube ich mache auf diese Weise einen guten Job". Und dabei ist er so flexibel, dass er auf jeder Linebacker-Position eingesetzt werden kann. Auch als Edgerusher hat er am College bereits Erfahrungen gesammelt.
Was jedoch bei all den Vorschusslorbeeren klar ist, dass Stand jetzt Joe Schobert, Genard Avery und vor allem Christian Kirksey zunächst gesetzt sind. Im Trainingscamp und nicht zuletzt in den Vorbereitungsspielen muss sich Takitaki seine Einsatzminuten erst verdienen und seinen Weg im Depth Chart nach oben arbeiten. Trainer und Management trauen es ihm in jedem Fall zu. Bis es soweit ist, wird dann auch sein Rookie-Vertrag in Cleveland unterschrieben sein. 

Ehefrau Alyssa half ihm durch eine schwere Zeit

 

Als strahlender Kapitän seines Teams verlässt Sione Takitaki das College um den großen Schritt in die NFL zu wagen. Man könnte meinen, dass eine Bilderbuch-Karriere im College-Football hinter ihm liegt und er als gewöhnlicher Spieler wie so viele andere Talente den Weg ins Profi-Business geht. Weit gefehlt, denn es gab eine Zeit, in der nichts darauf hingedeutet hat, dass es "ST" überhaupt am College schaffen wird. 
Aufgrund Diebstahls wurde er aus der Mannschaft ausgeschlossen und vom Schulbetrieb suspendiert. Nicht sein erster Strafdelikt. In dieser Zeit musste er sich mit Jobs außerhalb der Schule über Wasser halten und Sorge tragen, nicht auf der Straße zu landen. Innerhalb dieser zwei Semester hat er vieles lernen können und müssen. Ohne seine Arbeit hätte er nichts gehabt. "Miete bezahlen, Essen auf den Tisch bekommen. Das war hart, aber harte Zeiten machen dich zu dem was du bist". 
Als er dann seine spätere Frau Alyssa kennen lernte, merkte Sione, dass er nicht nur für sich, sondern auch für jemand anderen verantwortlich war. Sein "größter Wendepunkt während der College-Karriere" sorgte auch dafür, dass er unbedingt wieder aufs Feld wollte, um zu zeigen, was in ihm steckt. Und wie so oft im Football, bekam auch Takitaki eine zweite Chance. Und diese wusste er zu nutzen. Als Kapitän seiner Mannschaft führte er die Cougars zu einer 13-1 Saison in seinem Senior-Jahr. 193 Tackles gelangen ihm während seiner Zeit in Brigham, dazu 21.5 Sacks und 13 Quarterback-Hits. 

"Ich bin hier um meine Rolle zu finden, wie auch immer sie aussehen mag"

Zwar noch ohne unterschriebenen Vertrag, aber mit ersten Ausrüstungsteilen und seiner neuen Trikotnummer 44, durfte Takitaki im Mini-Camp bereits erste Erfahrungen als NFL-Spieler der Cleveland Browns sammeln. In den Pressegesprächen gab er zudem einige erste Statements ab. 
Sione Takitaki im Detail über...


... seinen Spielstil:

"Ich denke, ich bin ein physischer Spieler. So habe ich schon als Kind gespielt, immer raus gegangen um als "der Hammer" zu spielen. Ich gehe aufs Feld und spiele sehr aggressiv"

... den Draft:

"Gedraftet zu werden ist eine tolle Sache. Du arbeitest unglaublich hart dafür deinen Namen zu hören. Ich war sehr aufgeregt darüber, aber das ist noch nicht das Ende, denn ich muss immer wieder herkommen und zeigen, dass es richtig war, mich zu draften."

... seine Position:

"Ich spiele auf allen Positionen gerne. Gerade letzte Saison habe ich ausschließlich hinter der D-Line gespielt, dadurch bin ich nochmal besser geworden. Eine Lieblingsposition habe ich aber nicht."

... seine Ankunft in Cleveland:

"Es ist immer noch surreal. Natürlich ist man erstmal ein bisschen geschockt, aber jetzt wo ich hier bin, möchte ich allen zeigen, warum ich ausgewählt wurde. Ich genieße es immer noch und bin dankbar für diese Organisation, die Mitarbeiter; es ist einfach aufregend."

... seine Saison als Kapitän:

"Das hat mir sehr viel bedeutet. Ich hatte immer eine gute Beziehung zur Mannschaft und war gerne in der Kabine. Kapitän zu sein hat meiner Karriere am College einen guten Stempel aufgedrückt." 


...den Wechsel vom Kapitän zum Rookie:

"Ich mag das. Ich wollte immer der "Kleine" sein, der sich alles verdienen muss, auch den Respekt der anderen Spieler. Ich möchte einfach Football spielen, mein Part geben und hart arbeiten."

...die ersten Worte von Freddie Kitchens im Camp:

"Er hat gesagt "Liefert ab. Ihr seid hier nicht ohne Grund. Es ist an der Zeit zu arbeiten". Besser hätte er es nicht sagen können. Das ist die Chance meines Lebens."


Ich bleibe dabei, der Typ hat es mir richtig angetan. Und nicht nur sein Spielstil, auch seine Lebensgeschichte zeigt, dass die Browns keinen gewöhnlichen Spieler in ihr Team bekommen. Als Arbeiter abseits des Feldes hat sich Takitaki seine zweite Chance erkämpft und diese auch genutzt. Natürlich hat er auf dem Footballfeld noch viel zu lernen, trotzdem hoffe und glaube ich, dass wir bereits in dieser Saison einiges von ihm zu sehen bekommen werden. 
Freuen wir uns also, auf seine ersten Einsätze in der Pre-Season. 

Bis dahin, 

Kevin